10. Kapitel

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Justus

Unruhig lief ich in der Wohnung auf und ab. Es war beinahe schon Mittag und ich hatte noch nichts von Jo gehört. Dabei hatte sie gestern zu mir gesagt, dass sie gleich am Morgen zu Sofie gehen wollte. Vielleicht hatte sie sich umentschieden, so wie mit dem Abendessen. Nein, das war nicht fair. Es war mir ja tatsächlich ganz recht gewesen, dass wir das Essen verschoben hatten, weil ich mit dem Roman genug zu tun hatte. Natürlich könnte ich ihr gleich eine Nachricht schicken und sie nach dem Besuch fragen, aber ich wollte nicht, dass es aussah, als wäre ich verzweifelt. Auch, wenn ich es war. Gut, vielleicht nicht total verzweifelt. Seufzend stieg ich aufs Rudergerät. Nachdem ich meine Nerven nach ein paar Minuten durch die monotonen Bewegungen wieder halbwegs im Griff hatte, setzte ich mich erneut an den Schreibtisch und arbeitete weiter am Manuskript.

Am Nachmittag wurde ich jedoch so unruhig, dass ich beschloss am Hutladen vorbeizugehen, um Jo nach Sofie zu fragen. Außerdem wollte ich noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen, das konnte ich damit verbinden.

»Mittagspause«, las ich kurz darauf von einem Schild, das an der Tür zu Jos Laden hing.

Na, super. Ich atmete hörbar aus, zückte mein Handy und schrieb ihr nun doch eine Nachricht.

Wie ist es gelaufen?

Dann setzte ich meinen Weg fort und stöberte ein wenig bei Jörgs Kulinarium, kaufte Gemüse, Käse und zwei Flaschen Rotwein, ehe ich in die Wohnung zurückkehrte. Endlich ertönte das »Ping« meines Handys.

Komme später vorbei. Sollen wir das Abendessen heute nachholen?

Ich konnte der Nachricht nicht entnehmen, ob das Treffen nun positiv oder schlecht verlaufen war. Gleichzeitig war mir klar, dass ich keinen Grund hatte so nervös zu sein. Immerhin würde Jo ja nicht gleich bei Sofie mit der Tür ins Haus fallen und ihr erzählen, dass sie dort war, um für mich zu spionieren.

Oh Gott. Mir wurde heiß. Jo war genau der Typ Frau, der so direkt mit der Tür ins Haus fiel. Sie nahm doch, soweit ich das beurteilen konnte, kein Blatt vor den Mund. Ich schloss die Lider und rieb mir die Schläfen. Nun war es ohnehin zu spät, also konnte ich aufhören mir Sorgen zu machen.

Ich schlug die Augen wieder auf und schrieb zurück. Sehr gern, gegen acht? Oder willst du mich wieder versetzen ...

Beim Gedanken an ihre Reaktion, auf meine etwas provokante SMS, musste ich schmunzeln. Ihre Antwort folgte innerhalb kürzester Zeit.

Keine Sorge, ich werde pünktlich sein. Soll ich etwas mitbringen? Außerdem dachte ich, dass Du zu tun hattest und gar nicht so traurig warst, dass wir das Essen verschoben hatten ...

Interessant. Ihr war offenbar nicht klar, dass ich scherzte.

Ein Abendessen mit dir wäre sicher netter gewesen als zu arbeiten.

Irgendwie machte es mir Spaß sie zu necken. Ich wartete gespannt auf eine Reaktion. Aber es kam keine. »Dann halt nicht«, murmelte ich, während ich die Einkäufe ausräumte. Kurz darauf saß ich wieder an meinem Schreibtisch und arbeitete weiter an meinem Roman. Gestern waren die Worte nur so aus mir herausgesprudelt, heute hingegen fiel es mir schwer, überhaupt etwas zu Papier zu bringen. Gegen sechs gab ich endgültig auf, zog mich um und ging eine Runde Laufen. Das half meistens, wenn ich meinen Kopf freibekommen musste.

Nach einer Stunde kehrte ich schweißnass aber mit neuen Ideen zurück, die ich schnell in mein Notizbuch kritzelte. Danach sprang ich unter die Dusche und schlüpfte anschließend in eine lässige Jeans und ein Leinenhemd. Der Abend versprach mild zu werden, Socken oder Pullover sparte ich mir deshalb.

Auf dem Weg in die Küche wanderte mein Blick über den Innenhof. Es war verrückt, aber die drei bodentiefen Fenster in ihrer Miniatur-Wohnung wirkten, als würde man auf eine Bühne schauen. Solange die Vorhänge geöffnet waren, blieb mir nichts verborgen. Auch jetzt. Jo war Zuhause und sie war nicht alleine.

Gespannt hielt ich inne, mir kam nicht einmal die Idee, dass es daneben war, sie so offensichtlich zu beobachten. Die Frage mit wem sie da in ihrer Wohnung heftig diskutierte, interessierte mich hingegen viel mehr. Der Typ war schlank, trug einen dunklen Anzug und sein Gesichtsausdruck war alles andere als erfreut. Das war kein Höflichkeitsbesuch, die beiden mussten sich kennen. Es war nicht schwierig eins und eins zusammen zu zählen. Es musste ihr Ex sein. Wie hieß er noch gleich?

Ich rieb mir das Kinn und kramte in meinen Erinnerungen. Ach ja, richtig. Oli hatte sie gesagt. Tja, mir schien Oli und ich waren auf ähnlichen Missionen. Wenn ich seine Gesten und die Mimik richtig deutete, standen seine Erfolgschancen allerdings ziemlich mies. Er wirkte entschlossen, verzweifelt, hoffnungsvoll – was sich in einer Endlosschleife wiederholte. Pech für ihn, dachte ich und wandte mich ab. So weit ging meine Neugier dann nämlich auch wieder nicht. Außerdem hatte ich zu tun.

Als Erstes öffnete ich den Rotwein, damit der etwas atmen konnte, und stellte Musik an. Beethoven war nicht jedermanns Sache, meine schon. Klassik zog ich definitiv Pop vor – immer. Danach machte ich mich daran, Gemüse für das Ratatouille zu schnippeln.

Seltsamerweise war ich sehr erleichtert, als es fünf Minuten nach acht an meiner Tür klingelte. Ich wischte mir die Hände an einem Tuch ab, ehe ich öffnete.

»Hi«, sagte ich, als ich in Jos gerötetes Gesicht blickte.

»Hallo Justus«, erwiderte sie und rang sich ein Lächeln ab. Es wirkte gekünstelt und alles andere als entspannt. Nachvollziehbar, schließlich hatte ich ja gesehen, dass sie eben noch Besuch gehabt hatte, der ihr ganz klar Stress gemacht hatte. Offenbar waren sie sich auch zum Ende des Gesprächs hin nicht einig geworden.

»Komm doch rein.« Ich trat beiseite.

»Danke. Ich habe jetzt gar nichts mitgebracht, du hast nicht gesagt was und ...«

»Hey«, unterbrach ich sie ruhig und legte ihr eine Hand auf die Schulter. »Alles gut. Komm doch erst mal an.«

Ihre Reaktion überraschte mich. Sie ließ ihre Tasche fallen und schlug sich die Hände vors Gesicht. »Ich muss mal kurz durchatmen«, sagte sie leise.

»Schlechten Tag gehabt?«

Sie weitete ihre Finger und spitzte hindurch. »Nein, natürlich nicht. So bin ich immer drauf, wenn ich einen tollen Tag hatte. Was denkst du denn?«

Ich unterdrückte ein Grinsen, trat hinter sie und legte meine Hände auf ihre Nackenmuskulatur. »Okay, jetzt entspann dich mal. Alles ist gut. Du bist hier, es gibt gleich Abendessen ...«

»Was machst du da?« Ihre melodische Stimme klang misstrauisch.

»Keine Sorge, ich habe nicht vor, dich sexuell zu belästigen. Ich lockere deine Muskulatur ein wenig. Du bist ja total verkrampft«, witzelte ich.

»Pff«, stieß sie hervor. »Gut, also dann ist das keine Anmache?«

»Sicher nicht, Jo. Ich glaube es ist eindeutig, dass wir beide nicht auf der Suche nach einer neuen ... äh ... Bekanntschaft sind, oder?«

Sie trat einen Schritt vor und drehte sich zu mir um. Zwischen ihren Augen erschien eine steile Falte. »Ähm, das klingt jetzt irgendwie seltsam.« Und dann konnte ich das Klick in ihrem Hirn förmlich hören. Sie schlug sich eine Hand an die Stirn und schüttelte den Kopf, auf dem heute zur Abwechslung mal kein irrer Hut saß.

»Du hast gespannt!«, schlussfolgerte sie.

Ich atmete scharf ein. »Wie bitte?«

Sie tippte mir mit spitzem Finger auf die Brust. »Du hast mich beobachtet.«

»Ich habe gar nichts.«

»Na, ist auch egal. Ja, Oli war da und wollte noch mal über alles reden, wie du sicher bemerkt hast.«

»Zum zweiten Mal, Jo. Ich habe gar nichts beobachtet. Auf dem Weg in die Küche habe ich zufällig aus dem Fenster geschaut und ja, es war nicht zu übersehen, dass du Streit hattest.«

Sie winkte ab. »Ist ja auch egal. Aber gut zu wissen, dass ich in Zukunft die Vorhänge schließen muss, wenn ich Gäste habe.«

»Also bitte«, gab ich irritiert zurück und schnaubte leise. Ich war mich nicht sicher, was mich mehr ärgerte. Dass Jo mich ertappt hatte, oder dass ich mich davon so peinlich berührt gab. Schließlich war es eine völlig normale Regung, hinüberzusehen. Ich nahm Anteil am Leben meiner Mitmenschen, verteidigte ich mich vor mir selber und war froh, dass es mir nicht laut herausrutschte, denn das wäre jämmerlich gewesen.

Jo atmete tief durch, dann blickte sie zu mir auf. Sie wirkte müde, unter ihren hübschen Augen lagen dunkle Schatten. »Sorry. Das eben war nicht so gemeint. Tut mir echt leid. Ich bin ein bisschen gestresst.«

»Schon okay, jetzt komm doch erst mal mit rüber. Möchtest du ein Glas Wein?«

»Oh ja, bitte. Ein großes.«

Wir gingen gemeinsam in die Küche, ich nahm zwei Rotweingläser aus dem Schrank und goss ein. Ich hatte das halbe ›Kulinarium‹ auf den Kopf gestellt, um diese Flasche zu finden. Der Wein war genau an der Grenze zwischen lieblich und halbtrocken. »Ich werde das jetzt nicht bis obenhin vollmachen«, warnte ich sie mit einem amüsierten Unterton.

Jo hob eine Augenbraue. »Ist mir schon klar, dass man das so nicht macht. Und ich weiß auch, dass man das Glas am Stil anfassen muss.«

»Man muss gar nichts«, warf ich ein. »Aber die Temperatur hält sich besser, wenn man es nicht am Bauch anfasst.«

Sie gluckste. »Dir ist schon klar, dass es draußen immer noch an die fünfundzwanzig Grad hat. Meine Hände werden den Wein sicher nicht mehr wärmen, als das Wetter.«

Ich unterdrückte ein Seufzen. »Trink ihn doch, wie du willst.« Damit reichte ich ihr das Glas. »Zum Wohl.« Ich roch am Rioja, schloss die Augen und genoss die Aromen von Vanille, Brombeere und einem Hauch Lakritz, ehe ich einen Schluck kostete.

Als ich die Lider wieder öffnete, bemerkte ich, dass sie mich mit einem spöttischen Blick musterte. »Was?«, brummte ich.

»Machst du das immer so?«

»Was meinst du?«

»Dieses Tamtam um den Wein?«

»Wie bitte?«

»Na du weißt schon.« Sie wedelte mit ihrer rechten Hand vor meinem Gesicht. »Schnuppern, warten, leise seufzen ehe du trinkst?«

»Oh Gott, Jo. Du hast wirklich keine Ahnung von Genuss. Schmeckt er dir wenigstens?«

Ihr Gesichtsausdruck sprach für sich.

»Könnte süßer sein?«, folgerte ich. Sie nickte.

»Mein Gott. Na gut. Ich sag da jetzt nichts dazu. Möchtest du über Oli reden?«

»Lieber nicht. Er hat es einfach noch nicht verkraftet, dass ich ihn verlassen habe.«

»Schade für ihn. Ich kann verstehen, dass er an dir hing.«

»Er wird schon irgendwann damit klarkommen. Wir passen nicht mehr zusammen. Wir haben uns auseinander gelebt.«

»Kommt in den besten Familien vor.«

»Ja, leider. Lass uns nicht mehr über ihn sprechen, okay? Das nimmt mich doch noch irgendwie mit. Wir hatten ja auch gute Zeiten.«

»Das verstehe ich. Dann erzähl, wie war es bei Sofie im Laden?«

Ich schaute sie abwartend an und trank noch einen Schluck. Jo war keine gute Schauspielerin, mir war sofort klar, dass sie mit sich rang, ob sie mir alles sagen sollte.

»Na komm schon. Ich kann es verkraften, ich bin ein großer Junge. Was hast du rausgefunden?«

Innerlich war ich jedoch nicht so gelassen, im Gegenteil. Ich hatte schon eine Weile die Vermutung, dass Sofie vielleicht einen anderen Mann kennengelernt hatte. Wenn mir Jo das nun erzählte, hätte ich wenigstens Gewissheit. Es würde mich aber nicht davon abbringen, um sie zu kämpfen. Dafür war sie mir zu wichtig.

»Im Grunde nicht viel«, begann sie. »Der Laden ist schön.«

»Ja, das kann ich mir vorstellen. Sofie hat einen exzellenten Geschmack.«

»Das auch.«

Ich kniff die Augen zusammen. »Verstehe ich nicht.«

»Ach nichts.«

»Nein, sag schon.«

»Na gut«, sprudelte es plötzlich aus ihr hervor. »Was findest du an ihr?«

»Was ich an ihr finde? Soll das ein Witz sein?«

»Ähm. Nein, also schieß los? Warum hast du dich in sie verliebt?«

»Das ist einfach. Wie schon gesagt, sie hat Stil, sie ist wohlerzogen, klug, geistreich, sie hat die gleichen Interessen wie ich.«

»Und die wären?«

»Wir achten beide auf unsere Gesundheit. Sie liebt Sport, Yoga, Tennis und wir sind oft gemeinsam Laufen gegangen.«

»Und was noch?«

»Klassische Musik zum Beispiel. Theater. Kunst und Literatur.«

»Okay. Gähn.«

»Ach, Jo«, sagte ich matt. »Du findest es vielleicht langweilig. Aber für uns ist es das nicht.«

Sie zuckte mit den Schultern. »Ja, gut. Dann ist das so.«

»Und natürlich mögen wir beide gutes Essen«, ergänzte ich noch.

Jo machte große Augen. »Das sah mir nicht so aus. Sie ist so dünn, dass man es schon beinahe mager nennen könnte. Sag du mir, dass sie Spaghetti Carbonara auch nur anrühren würde?«

»Das ist doch albern, Jo. Was willst du mir hier sagen? Dass wir nicht zusammen passen?«

Sie guckte mich mit einem Mal an, als hätte sie ein Bus angefahren. »Was? Nein! Natürlich nicht.«

»Was dann?«

»Ich wollte nur mehr über euch erfahren«, sagte sie hastig, wandte sich dann ab und trank einen großen Schluck. »Tut mir leid«, meinte sie dann. »Ich bin heute wirklich kein guter Gesprächspartner. Vielleicht sollte ich gehen.«

»Nein, bitte bleib.« Ich legte ihr meine Hand auf den Oberarm. »Das Essen ist gleich fertig. Du hattest einen schlechten Tag, es ist schon in Ordnung. Jetzt atmest du mal tief durch, setzt dich auf die Terrasse und entspannst dich. Okay?«

Unsere Blicke begegneten sich. Der Ausdruck in ihren Augen ließ mein Herz schneller schlagen. »Danke«, murmelte sie, dann ging sie hinaus, wo ich schon alles vorbereitet hatte.

Ich schaute ihr hinterher und fragte mich, was ich tun konnte, damit es ihr etwas besser ging. Diese nachdenkliche, erschöpfte Jo war mir bisher nicht begegnet. Ja, es war albern, aber ich sorgte mich um sie.

 

Kurz darauf saßen wir bei Kerzenschein auf der Terrasse und aßen das Ratatouille mit Kartoffeln und Baguette. Auf Fleisch oder Fisch hatte ich verzichtet, Sofie hatte gerne vegetarisch gegessen und ich glaubte, dass auch Jo nicht unbedingt ein Steak brauchte, um satt zu werden.

»Schmeckt es dir?«, fragte ich irgendwann.

»Es ist köstlich. Hast du das wirklich alleine gekocht?«

Ich lachte. »Ja, natürlich. Oder siehst du irgendwo eine Haushälterin?«

»Nein, aber die Gewürze meine ich. Kein Maggi-Fix?«

Mein angewiderter Gesichtsausdruck schien sie zu amüsieren. »Das ist nicht dein Ernst, Jo.«

»Nein, ist es nicht. Ich wollte nur einen Scherz machen.«

»Gott sei Dank!« Erleichtert atmete ich aus.

»Ach, mir ist noch was eingefallen.«

»Ja?«

»Als ich im Laden war habe ich ein Kleid anprobiert.«

»Und? Hat es dir gefallen.«

Sie winkte ab. »Nein, das meine ich nicht. Aber als ich in der Umkleide war hat Sofie einen Anruf entgegengenommen.«

»Ja?«

»Ich glaube in dem Telefonat ging es um dich.«

»Oh!« Ich verschluckte mich und musste husten. »Was, äh, was hat sie gesagt?«

Jo kratzte sich am Hinterkopf und überlegte. »Wenn ich mich richtig erinnere, dann hat sie gesagt, dass da immer noch Gefühle wären, dass alles nicht so einfach sei.«

Mein Puls schnellte in die Höhe. Dann war ja wirklich noch nicht alles verloren. »Und weiter?«

Sie kniff die Augen zusammen. »Ich weiß nicht mehr. Nicht mehr viel. Ich konnte ja auch nicht aus der Kabine rennen und lauschen.«

»Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen um Himmels willen!«

»Mann, Justus. Ich überlege ja. Du musst sowieso mal ein bisschen lockerer werden. Das hält man ja nicht aus!«

Ich schluckte und atmete tief ein und aus. Dann hellte sich ihr Gesicht auf. »Ja, genau das war es. Sie hat gesagt, dass du immer so steif und angespannt warst.«

»Das ist jetzt erfunden.«

»Nein«, sie schaute mich an und legte eine Hand auf meine. »Das hat sie wirklich gesagt und ganz ehrlich, Justus. Sie hat recht.«

Ich zog meine Finger zurück. »Du bist unmöglich.«

»Hey! Das ist jetzt nicht fair.«

»Na schön. Ist es wirklich wahr?«

Sie nickte energisch. »Jap. Ist es. Absolut. Ich stimme ihr auch zu.«

Ich fuhr mir mit der Hand über das Gesicht. »Und, was soll ich deiner Meinung nach jetzt tun?«

»Ich schlage vor, du machst dich mal ein bisschen locker.«

»Pf«, machte ich. »Und wie? Soll ich Drogen nehmen oder was?«

»Nein, natürlich nicht!«

»Was dann?«

»Das alles hier zum Beispiel. Das Weingeschnuppere, das Feinkost-Zeug. Dein Ordnungsfimmel. Machst du irgendwann mal etwas, nur weil es Spaß macht?«

Ich machte große Augen. »Das macht mir Spaß.«

Jo lachte. Sie lachte so laut und herzhaft, dass ich mich angesäuert zurücklehnte.

»Wenn du dann fertig bist, können wir dann weiter reden?«, murrte ich und biss die Zähne aufeinander.

»Okay, Justus. Ich sag dir mal was. Wenn du Sofie zurück willst, musst du lässiger werden. Viel entspannter.«

»Und wie soll ich das machen?«

»Ich überlege mir etwas.« Plötzlich blitzten ihre Augen auf. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ihr gerade eine Blitzidee gekommen war.

Dummerweise schwante mir Übles. Ich nahm mein Glas zur Hand und trank es in einem Zug.

Der elfte Teil des Blogromans »Es muss wohl Liebe sein« erscheint am Sonntag, 13. Mai, um 18 Uhr.

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